Schule/Kunst/Ausstellung
Kunst als pädagogische Wahrnehmungsförderung
Utl.: 15 Jahre Basale Förderklassen in Wien – Schule für mehrfach behinderte und pflegeabhängige Kinder und Jugendliche – Vernissage am 24. September 2007 im Stadtschulrat für Wien
Wien (WS/FÖBE) – Seit dem Schuljahr 1992/93 gibt es in Wien einen eigenen Schultyp für mehrfach behinderte und pflegeabhängige Kinder: Die Basalen Förderklassen. Den Unterricht am Vormittag gestalten FachbetreuerInnen gemeinsam mit SonderschullehrerInnen. Für den Nachmittag bieten die Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH entsprechende Betreuungsgruppen an.
Anlässlich 15 Jahre Basale Förderklassen führt der Stadtschulrat für Wien in Kooperation mit der Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH eine Ausstellung mit dem Titel „Kunst als Reiz für die Sinne“ durch. Die Vernissage findet am 24. September 2007 um 17.00 Uhr im Stadtschulrat für Wien, Wipplingerstraße 28, 1010 Wien, statt.
Die Bilder stammen von Andreas Fröhlich, Professor für Allgemeine Sonderpädagogik an der Universität Landau (Deutschland). Der international anerkannte Wissenschafter gilt als „Vater“ der Basalen Stimulation. „Die gleiche Oberfläche, ein gleiches Bild wird bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen und in einen jeweils individuellen Sinnzusammenhang gestellt“, so Fröhlich. Und weiter: „Die Sinngebung ist eigenständige individuelle Kreation eines jeden einzelnen Betrachters. Menschen mit neurologischen Schädigungen, z.B. nach einem Schlaganfall, sehen und spüren unter Umständen anders, als vor der Krankheit, anders als andere Menschen – die wahrgenommene Welt wird fremd, oft bedrohlich, wodurch die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt wird.“
Als Künstler versucht Andreas Fröhlich seine Forschungs- und Praxiserfahrung in bildhafte und figürliche Formensprache zu übersetzen. Die Erkenntnisse können so unmittelbar erlebt werden: Ästhetik, Einsicht, Verstehen und sinnliches Entdecken führen zu Kunst und therapeutischer Wissenschaft gleichermaßen. Auf der Oberfläche seiner Werke fühlt sich Fröhlich der Moderne zugehörig. Die zweite Ebene des „immobilen Blicks“ eröffnet überraschende Einsichten in die Fragwürdigkeit der „normalen“ Wahrnehmung.
Basale Förderklassen – Ein eigener Schultyp
Der Unterricht für mehrfach behinderte, pflegeabhängige Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter in Kooperation mit den Wiener Sozialdiensten wurde im Schuljahr 1992/93 aufgenommen. Dieser Zeitpunkt gilt auch als Institutionalisierung der Basalen Förderklassen als eigener Schultyp im Wiener Regelschulsystem für schulpflichtige Kinder und Jugendliche.
Getragen werden die Basalen Förderklassen von zwei Institutionen: Einerseits durch die Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH, die im Auftrag der Behindertenhilfe der Stadt Wien (gefördert durch den Fonds Soziales Wien) die FachbetreuerInnen in den Klassen und in den Nachmittagsbetreuungsgruppen anstellt. Andererseits durch den Stadtschulrat für Wien, der im Regelschulsystem für die Schulerhaltung sowie für die SonderschullehrerInnen zuständig ist.
Kein Kind muss zu Hause bleiben
Im Schuljahr 2007/2008 werden in Wien insgesamt 118 SchülerInnen in 28 Basalen Förderklassen unterrichtet. 58 SchülerInnen nehmen zudem eine Nachtmittagsbetreuung in Anspruch. Die Vollversorgung an benötigten Schulplätzen für mehrfach behinderte und pflegeabhängige Kinder ist damit in Wien gegeben. „Kein Kind muss zu Hause bleiben“, so Gisela Kersting-Kristof, Geschäftsführerin der Förderung & Begleitung GmbH der Wiener Sozialdienste.
Bedürfnisse prägen den Unterricht
Die Gestaltung des Unterrichts richtet sich vorwiegend nach den Bedürfnissen der SchülerInnen. Im Mittelpunkt der Förderung stehen Wahrnehmen, Erleben und Aktivität. Im Sinne der Ganzheitlichkeit fließen neben der basalen Wahrnehmungsförderung auch Methoden aus unterschiedlichen pädagogischen, therapeutischen psychologischen sowie pflegerischen Richtungen ein. Die Unterrichtszeit ist im Allgemeinen von acht bis dreizehn Uhr.
Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH
Die Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH (FÖBE) wurde im Jahr 2003 gegründet. Sie ist eine Hundertprozenttochter der Wiener Sozialdienste. Das Angebot der FÖBE umfasst insgesamt vier Bereiche:
Behindertenbetreuung und Persönliche Assistenz: Dieser Bereich umfasst teilbetreutes und vollbetreutes Wohnen sowie die Beschäftigungstherapie Handwerk für erwachsene behinderte und/oder psychisch kranke Menschen.
Basale Förderklassen: Integration mehrfach behinderter, pflegeabhängiger Kinder und Jugendliche in das Regelschulsystem. Der Unterricht erfolgt in Kooperation mit dem Wiener Stadtschulrat in eigenen Klassen.
Mobile Frühförderung: Für Kinder bis zum Kindergarteneintritt bzw. max. sechs Jahren mit Entwicklungsrisiko fördert und begleiten die Mitarbeiterinnen der FÖBE behinderte Kleinkinder direkt bei den betroffenen Familien zu Hause.Zentrum für Entwicklungsförderung: Im Zentrum des Dienstleistungsangebotes stehen die Diagnostik, Beratung, Therapie sowie die Begleitung von Kindern bis zu sechs Jahren und deren Familien bei Fragen und Problemen der physischen, psychischen und kognitiven Entwicklung des Kindes. Die Leistungen sind für die Familien und deren Kinder kostenlos.
Die Wurzeln der Behindertenbetreuung durch die Wiener Sozialdienste liegen in der Gründung einer „Verhaltenstherapeutischen Wohngemeinschaft“ in Kooperation mit der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien im Jahr 1977. Zehn Jahre danach (1987) wird mit dem „Kräuterkistl“, die erste Beschäftigungstherapiewerkstätte für geistig behinderte Menschen, eingerichtet. 1992 erfolgt im Auftrag der Stadt Wien die Gründung der ersten „Basalen Förderklassen“ für den Schulbesuch mehrfach behinderter und pflegeabhängiger Kinder und Jugendlicher im schulpflichtigen Alter.
Rückfragehinweis:
Gisela Kersting-Kristof, MBA, Geschäftsführerin
Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung GmbH
1160 Wien, Kirchstetterngasse 6
Tel.: +43 1/524 93 60-13
E-Mail: gisela.kersting-kristof@wiso.or.at
Internet: www.wiso.or.at
Wien, 2007-09-24



